Meditieren macht glücklich

„Meditieren? Meinst du? … Hm, ich weiß nicht! Wann soll ich das denn noch machen? Ich weiß ja jetzt schon nicht mehr, wo mir der Kopf steht. Außerdem schlafen mir dabei immer die Beine ein. Ja, weißt du, ich hab’s tatsächlich schon mal probiert! Aber es ist einfach so verdammt schwierig, seine Gedanken wegzubekommen. Ich krieg‘ da immer Kopfweh!“

Oh ja, Meditieren lernen kann am Anfang ganz schön nervtötend sein. Das ging mir tatsächlich auch oft so. Dabei hört es sich doch so wahnsinnig einfach an: dasitzen, beobachten, nichts tun. Für die meisten Menschen ist allerdings genau das das Allerschwierigste und deshalb braucht es oft ein wenig Übung. Du kannst mir aber glauben: Es lohnt sich, am Ball zu bleiben! Wirklich!

Bevor ich dir erkläre, was für Vorteile Meditation für dich hat, noch etwas Wichtiges vorweg: Es gibt beim Meditieren kein Ziel. Man muss weder irgendwo anders hingelangen, noch irgendetwas Bestimmtes erreichen. Keine Parallelwelten. Nichts mit Halluzinationen. Einfach nur beobachten, was schon da ist. Das Ziel ist es also auch nicht, seine Gedanken zu stoppen oder wegzubekommen. Versuche, beim Meditieren alles so sein zu lassen wie es ist und weder etwas zu verändern, noch zu bewerten.

So, kommen wir nun aber zum Hauptteil! „Meditieren macht glücklich!“, habe ich behauptet und im folgenden Text werde ich dir zehn gute Gründe aufzählen, wieso ich mir da so sicher bin …

1) Durch Meditation kommst du ins Hier und Jetzt

Viele Menschen fragen sich, was sie durch Rumsitzen und Nichtstun denn bitteschön im Leben erreichen sollen. Nun, es ist so: In den Köpfen der allermeisten Menschen kreisen die Gedanken den ganzen Tag. Sie schwelgen in der Vergangenheit oder planen die Zukunft. Durch Meditation lernen wir, ins Hier und Jetzt zu kommen. Das ist ziemlich wichtig. Denn das Leben spielt nicht gestern und ist auch nicht morgen. Das Leben ist jetzt und zwar nur jetzt. Wenn du also nie im jetzigen Moment bist – dann hast du streng genommen auch kein Leben.

Wie sich das anfühlt, im Hier und Jetzt zu sein, hat jeder von uns schon einmal erlebt – nämlich als Kind. Als Kind haben wir nicht an gestern oder morgen gedacht oder daran, was andere Leute wohl über uns denken könnten. Wir waren komplett wir selbst. Ohne Angst vor Neuem. Ohne Vorurteile Fremden gegenüber. Alles war aufregend. Alles, was wir erlebt haben, erschien uns so, als würden wir es zum allerersten Mal erleben. Ganz von Natur aus.

Weil wir uns komplett dem jetzigen Moment hingeben konnten, erscheint uns unsere Kindheit rückblickend auch so ewig lang. Die späteren Jahre, die die allermeisten von uns fast ausschließlich in ihrer Gedankenwelt verbringen, vergehen dagegen wie im Flug.

2) Meditieren ist gut gegen Stress

Da wir durch Meditation zurück in den jetzigen Moment kommen, hilft sie auch so gut gegen Stress. Stress ist nämlich nichts anderes als Angst. Angst vor der Zukunft, weil wir in der Vergangenheit negative Erfahrungen gemacht haben. In der Gegenwart gibt es aber keine Angst und somit auch keinen Stress. Stress entsteht allein im Kopf – wenn unser Geist abschweift und sich in negativen Gedanken und Gefühlen verliert.

3) Beim Meditieren lernst du, die Dinge mit Abstand zu betrachten

Wenn du regelmäßig meditierst, wirst du irgendwann an den Punkt gelangen, wo du merkst: Du bist nicht deine Gedanken oder deine Gefühle und du bist auch nicht dein Körper. Viel eher hast du Gedanken, hast Gefühle und hast einen Körper.

Das hilft dir dabei, die Dinge mit Abstand zu betrachten. Anstatt beispielsweise in einen Tobsuchtsanfall auszubrechen, merkst du nun schneller: „Aha! Da ist Wut!“ und ehe du dich versiehst, ist die Wut in dir schon ein ganzes Stück kleiner geworden. Achtsamkeit nennt man diesen Aha-Effekt in Fachsprache.

Wenn du gegen ungewollte Gefühle ankämpfst, werden sie nur noch stärker. Wenn du aber Achtsamkeit hinzufügst, lösen sie sich langsam auf. Indem du die Dinge beim Namen nennst, gewinnst du die Kontrolle über dein Denken und Handeln.

4) Du lernst, dich selbst zu lieben

Umso mehr Zeit du mit dir selbst, deinen Gefühlen und Gedanken verbringst, umso mehr lernst du dich zu verstehen und damit auch zu lieben. Du weißt dann, was dir gut tut und was eher nicht. Du weißt, was du brauchst, um glücklich zu sein und was du lieber loslassen solltest. Und du wirst irgendwann auch wissen, für was du dein Leben wirklich nutzen möchtest.

5) Du lernst, deinem Bauchgefühl zu vertrauen

Wenn du weißt, wo du hinwillst im Leben, wird dir dein Bauch den Weg dorthin zeigen. Das klingt im ersten Moment vielleicht ein wenig abgehoben und an den Haaren herbeigezogen, ist es aber ganz und gar nicht.

Es ist inzwischen allgemein bekannt, dass unser Bauchgefühl, das sogenannte Unterbewusstsein, um ein hohes Vielfaches klüger ist, als es unser Kopf jemals sein kann. Während des Tages nehmen wir nur einen Bruchteil aller Informationen um uns herum ganz bewusst war. Der ganze riesige Rest landet im Speicher des Unterbewusstseins. Dein Bauch weiß also unendlich mal mehr über dich und die Welt da draußen als du (mit dem Kopf) denkst.

Vorstellen kann man sich das wie bei einem Navi: Du kennst deine Zieladresse, dein Navi kennt alle nötigen Informationen, um dich auf dem schnellsten und sichersten Weg dort hinzuführen. Hörst du nicht auf die Navi-Stimme, fährst du vielleicht in die falsche Richtung oder gerätst in Staus. „Bitte Wenden!“- Ansagen und andere Warnhinweise machen sich auf körperlicher Ebene als psychosomatische Beschwerden bemerkbar.

Durch Meditation findest du nicht nur deine Zieladresse heraus. Du lernst auch, zu unterscheiden, wann dein Kopf spricht (ängstliche Gedanken, Gegenargumente finden) und wann dein Bauch (fühlt sich einfach nur richtig an). Du lernst, diese innere Stimme wahrzunehmen und dir bei Entscheidungen die passende Lösung zuflüstern zu lassen.

6) Deine Konzentrationsfähigkeit verbessert sich

Konzentration und Achtsamkeit verhalten sich ähnlich wie ein Muskel. Trainieren wir diesen Muskel durch regelmäßiges Üben, wird er größer und kräftiger. Die positive Folge ist, dass wir uns im Alltag länger auf bestimmte Dinge fokussieren können ohne uns dabei ablenken zu lassen.

Oft denken wir, wir hätten nicht genügend Zeit, um uns hinzusetzen und zu meditieren. Meditierst du aber regelmäßig, arbeitest du organisierter und zielorientier und damit auch schneller.

7) Meditieren macht dich kreativer

Nichts ist so schädlich für einen kreativen Geist wie Stress. Ideen kommen nämlich nur dann in unseren Kopf, wenn da oben Platz ist. Machen sich kreisende Gedanken und unbewusste Ängste breit, haben sie erst gar keine Chance. Das kennt man auch von Prüfungsangst.

Wenn du etwas Neues entwickeln und kreativ bleiben willst, ist es deshalb ganz wichtig, immer wieder Pausen einzulegen. Durch regelmäßige Meditation lernst du, schneller und besser abzuschalten.

PS: Hast du gewusst, dass Isaac Newton das Gravitationsgesetz während einem Päuschen unter einem Apfelbaum entdeckt hat?

8) Deine körperliche Gesundheit verbessert sich

Stress ist nicht nur ein Kreativitäts-Killer, sondern auch Hauptursache bzw. Hauptauslöser für die meisten Krankheiten in unserer Welt. Bluthochdruck, Magen-Darm-Probleme, Einschlafstörungen: All diese Dinge werden erst dann besser werden, wenn du verstehst, dass Stress allein in deinem Kopf entsteht und wenn du lernst, wie du mit diesen negativen Gedanken und Gefühlen umgehst. Meditation hält also nicht nur deinen Geist, sondern auch deinen Körper gesund.

Apropos Einschlafstörungen: Ein Mönch aus der Wat Pa Tam Wua Forest Monastery in Nordthailand hat mir mal erklärt, dass man sogar weniger Schlaf braucht, umso öfter und länger man meditiert. Ist ja eigentlich auch logisch: Durch das Schlafen verarbeitet unser Gehirn alle am Tag aufgenommenen Informationen. Durch Meditation ebenfalls. Nur wirst du dadurch auch noch glücklicher und weiser.

9) Deine Beziehungen zu anderen Menschen werden schöner

Wer sich selbst mehr liebt, dem fällt es auch leichter, andere Menschen zu lieben. Die ganzen Fehler und Macken der Anderen erscheinen plötzlich gar nicht mehr so schlimm – weil die hat man ja selber auch.

Lieben heißt verstehen. Das habe ich von Thich Nhat Hanh gelernt (buddhistischer Mönch und Friedensaktivist). Bevor wir andere verstehen können, müssen wir uns selbst verstanden haben. Bevor wir andere lieben können, müssen wir uns selbst lieben gelernt haben. Denn wie soll man Liebe geben können, wenn man sie selbst gar nicht hat? Und wem es leicht fällt, Liebe zu geben, dem fällt es auch leicht, Liebe anzunehmen, wenn sie zu einem zurückkommt.

10) Du erschaffst dir eine glücklichere Umwelt

Punkt 10 ist ähnlich wie Punkt 9, geht aber noch einen Schritt weiter. Nicht nur die Menschen um dich herum möchtest du glücklicher sehen, wenn du dich selbst mehr lieben gelernt hast. Weil du durch das Meditieren nicht nur Achtsamkeit, sondern auch automatisch mehr Dankbarkeit und Mitgefühl aufbaust, wird dir auch das Glück fremder Menschen und anderer Lebewesen wichtiger.

Du wirst mit der Zeit erkennen, dass wir nicht alle getrennt voneinander leben, sondern dass in Wirklichkeit alles auf dieser Erde voneinander abhängig ist. Ohne Sonne gibt es keine Pflanzen, ohne Pflanzen gibt es kein Essen und ohne Essen gibt es keine Menschen. Hört sich logisch an. Ist auch so.

Du wirst verstehen, dass wenn du deiner Umwelt schadest, dass du dann auch dir selbst schadest … und im Gegenzug auch dir Gutes tust, wenn du Anderen Gutes tust. Es ist also eine unvermeidliche positive Folge von Meditation, dass du nicht nur dich selbst, sondern gleichzeitig auch deine ganze Umwelt ein Stück glücklicher machst.

Noch ein kleines Schlusswort

Wie schon oben geschrieben: Meditieren klappt nicht bei jedem gleich auf Anhieb und es braucht schon ein wenig Disziplin, um sich regelmäßig hinzusetzen und zu üben.

Aber wie es dieser eine Mönch, den ich in diesem Text schon einmal erwähnt habe, so schön ausgedrückt hat: „Wenn du keine 15 Minuten Zeit hast am Tag – dann hast du auch kein Leben.“